Alle Meldungen

Zeitraum wählen:

bis

22.12.2017

Gelebte Ökumene

Diakon Franz Reuter geht Ende 2017 in Ruhestand - Abschied war in der Messe am 31.12. in der Josefskirche

Franz Reuter im Jahr 2013 auf dem Hof hinter der Josefskirche. Foto: Benjamin Holler

Von Sabine Börchers

Franz Reuter ist ein Mann des Dialogs. 13 Jahre lang war er für die Pfarrei St. Josef als Diakon für die Altenheim-Seelsorge tätig. Ende des Jahres geht er in den Ruhestand.

Seine Aufgabe war für ihn stets gelebte Ökumene, wie er selbst betont. Nicht nur, weil er im Hufeland-Haus in Seckbach und im Haus Saalburg in Bornheim eng mit den evangelischen Seelsorgern zusammenarbeitete. Er war auch für das Henry- und Emma-Budge-Heim zuständig, in dem er ebenso vertrauensvoll mit dem dortigen Rabbiner arbeitete und sich stets für den christlich-jüdischen Dialog einsetzte. "Ich habe Seelsorge immer sehr weit gefasst. Gott hat uns auf verschiedene Wege geschickt, aber kein Weg hat einen Absolutheitsanspruch. So habe ich immer auf Augenhöhe kommuniziert", sagt Reuter. Er habe das Glück gehabt, auf ähnlich denkende Kollegen zu treffen, mit denen sich im Laufe der Zeit Freundschaften entwickelt hätten. Der Kontakt zu den Seelsorge-Kollegen habe ihm auch geholfen, die ständige Konfrontation mit Themen wie Alter und Tod besser zu verkraften. "Wir haben uns immer gegenseitig entlasten können." Ebenso wichtig ist ihm die Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen, die sich um die Bewohner der Altenheime kümmern. "Wir treffen uns regelmäßig, um uns auszutauschen, auch interreligiös."

Bewegende Erinnerungen aus der Zeit der Konzentrationslager

Im Budge-Heim, in dem Christen und Juden gemeinsam leben, sei er bei seiner Arbeit häufig auf Überlebende der Konzentrationslager und zugleich auf Angehörige der Täter-Generation getroffen, erzählt er. "Meine evangelische Kollegin Gisa Reuschenberg und ich haben versucht, zwischen ihnen einen Dialog zu schaffen und dafür eine Gruppe 'Offene Kirche' gegründet." Dort wird bis heute auf Grundlage von Bibeltexten diskutiert. "Das war auch für mich ein Lernprozess, die Sensibilität in der Sprache zu finden", sagt Reuter heute. Darüber hinaus unternahmen die beiden mit diesen Menschen mehr als ein halbes Dutzend ökumenische Fahrten zu unterschiedlichen Gedenkstätten wie die in Buchenwald, Bergen-Belsen oder Pirna Sonnenstein. Sehr berührende Begegnungen habe er erlebt und sehr starke Persönlichkeiten, aber auch traurige Schicksale, wie das einer KZ-Überlebenden, die an Demenz erkrankt war und die aufgrund ihrer Erinnerung an Auschwitz nicht mehr geduscht werden konnte.

Regelmäßig feiert Reuter mit den Bewohnern der Altenheime Gottesdienste, er übernimmt zudem die Beerdigungsfeiern. Häufig erfahre er erst dann, wer überhaupt katholisch ist, erzählt er. Denn der Diakon fragt nicht nach der Konfession, wenn jemand ein Anliegen hat. Gearbeitet wird mit den Kollegen in der Regel religions- und konfessionsübergreifend. Auch Weihnachten und die jüdischen Feiertage werden in den Einrichtungen gemeinsam gefeiert. "Ich halte diese gelebte Ökumene für wichtig und wirkungsvoll. Die Leute sind so viel offener, solche Wege mitzugehen." Er hoffe, dass sein Nachfolger es genauso machen werde, sagt Reuter. Als Beispiel vorangehen kann er dabei bereits. Denn sein Nachfolger Joseph Anumnu aus Nigeria, der an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt promoviert hat, begleitet ihn derzeit schon.

Abschied am Silvesterabend

Offiziell verabschiedet wird Franz Reuter im Silvester-Gottesdienst am 31. Dezember um 18 Uhr in der Pfarrkirche St. Josef. Danach freut sich der 65-Jährige auf eine Zeit mit mehr Freiheit und weniger Verantwortung. Als Aushilfe stehe er aber jederzeit zur Verfügung, betont er. Für die christlich-jüdische Zusammenarbeit will er sich ebenfalls weiter engagieren und auch ein ökumenisches Projekt mit seiner Kollegin Reuschenberg plant er bereits. "Jetzt bin ich noch fit genug, neu anzufangen. Ich werde sicher einiges vermissen, aber ich bin noch in der Lage, aus einem Loch, das vielleicht kommt, wieder herauszukrabbeln." Und fit genug, um weiterhin mit seinem Zelt in den Frankreich-Urlaub zu fahren, fühlt er sich ebenfalls.